Pop.Politik.Theorie und Lernen von Varoufakis.

Popkulturelle Theorie erweitert die (ein)gängigen Betrachtungen von Politik. Ein Beispiel dafür liefert Jochen Venus im Artikel “Das Game-Over-Game. Ein Rückblick auf Yanis Varoufakis” in der pop-zeitschrift.

“Beurteilt man den Sachverhalt aus institutioneller Perspektive, ist Varoufakis amateurhaft gescheitert. Jenseits dieser Perspektive aber, vom Standpunkt des Publikums aus betrachtet, konnte Varoufakis einen demonstrativen Erfolg verbuchen. Denn die Institutionen moderner Politik sind für das Publikum seit langem schon unverständlich geworden.”

Die institutionelle Perspektive dominiert, sowohl in der politik-wissenschaftlichen Analyse als auch in der politischen Bewertung. V. sei gescheitert ist wohl die gebräuchliste Formel und gemessen an dem institutionellen Output nicht von der Hand zu weisen.

Aber damit wird nur ein Teil des gesellschaftlichen und sozialen Prozesses verstanden, in dem Politik zunehmend als institutionell Illegitim wahrgenommen wird. Dabei scheint nach der Zeit der Kampagnenorientierung professioneller Politik und “spin doctor campaining” eine neue Kluft zwischen medialer und politischer Sphäre auf:

“Als Professor für ökonomische Theorie verfügte er über die fachliche Reputation und als höchst erfolgreicher Bestseller-Autor und anglophoner Blogger über die medialen ›skills‹ und die Reichweite, die wirtschaftspolitische Unzweckmäßigkeit der Austeritätspolitik verständlich zu begründen und weltöffentlich zu skandalisieren. Massenmedial ist das gelungen – politisch ist es gescheitert.”

Diese Situation, in der die Lufthoheit über den medialen Raum nicht zwangsläufig mit politischem (institutionellem) Einfluss einhergeht passt nicht zu den Formulierungen von “Politik als Kampagne”, denen sich die Akteure der offiziellen Politik, Parteien und Gewerkschaften in den vergangenen Jahren unterworfen haben. Dies kann einen Raum öffnen für Diskussionen über das wie von Politik, gerade außerhalt von etablierten Kanälen.