Zwischen Stadtlinken und Arbeitertradition

Wo steht die Partei Die Linke im Bundestagswahljahr 2017? In der Reihe Deutschlandfunk-“Hintergrund” wird diese Frage diskutiert im Hinblick auf zwei Aspekte:

  • Mitgliederbasis: Neuere Parteimitglieder unterscheiden sich von den älteren. 2017 sind mehrheitlich junge Menschen in die Partei eingetreten und erstmals seit langem gab es mehr Eintritte als Austritte. Außerdem sind die Neuen eher akademisch gebildet. Hier zeichnet sich ein potenzieller Konflikt zwischen akademischen Stadtlinken und denen ab, die aus dem traditionellen Arbeitermilieu kommen.
  • Politische Strategie: Die Linke ist immer noch zerrissen zwischen Revolution und Reform. Konkret zeigt sich dies in der Zerstrittenheit zwischen denjenigen, die aktiv auf eine Rot-rot-grüne Koalition hinarbeiten (und teilweise in den Ländern schon regieren) und denen, die jegliche Gestaltungsmöglichkeit ablehen, da sie den Kapitalismus für nicht reformierbar halten.

Damit stellt sich für Die Linke im Bereich der Mitgliederbasis ein Problem, mit dem auch andere Linke und sozialdemokratische Parteien konfrontiert sind. Ein prominentes Beispiel ist die britische Labour-Partei, deren “Corbyn-Mitglieder”, also diejenigen, die nach den Wahlen 2015 eingetreten sind, deutlich gesellschaftsliberalere Positionen vertreten als die alten Mitglieder und einen Kandidaten mit einem klaren linken Profil unterstützen. Die letzten britischen Unterhauswahlen haben gezeigt, dass das zumindest kurzfristig erfolgreich sein kann. Allerdings stellt sich, anders als bei der Linkspartei, in Großbritannien die Frage nach Revolution oder Reform nicht.

Quelle: Deutschlandfunk Hintergrund vom 08. Juni 2017.