Wahlprogramme zwischen Neuem Testament und Luhmann

Alle Wahlprogramme lesen? Dauert nur 17 Stunden” titelt zeit online. Im ersten Moment klingt das wie das übliche journalistische Gemecker über zu lange und unleserliche Wahlprogramme, die kein/e Wähler/in je liest, geschweige denn versteht. Um Leser/innenfreundlichkeit und Verständlichkeit geht es auch im Text. Allerdings ist der Gastbeitrag von Nicolas Merz (WZB Berlin, Manifesto Project) einer der besten Versuche in der deutschen Presse, wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiterem Publikum zugänglich zu machen.

Merz untersucht sprachliche und inhaltliche Aspekte der Wahlprogramme zur Bundestagswahl: die Länge, die Lesbarkeit, die Wortwahl und die Nähe der Programme zueinander. Funfact: Die CDU hat das am besten lesbare Programm (gemessen an der Wiener Sachtextformel), die AfD das am schlechtesten lesbare. Allerdings ist der Unterschied gering. Der Index soll in etwa die notwendigen Bildungsjahre vermitteln. Um von CDU- zu AfD-Programm zu kommen, benötigt man 1.2 Jahre…

Die einzelnen Aspekte werden am Schluss des Textes noch einmal kurz zusammengefasst. Außerdem steht der verwendete Datenkorpus über github zum Download bereit. Insgesamt: Ein gutes Beispiel für öffentliche Politikwissenschaft.