Bildungschancen durch Begabtenförderung

In eigener Sache: neu erschienen.

Bildung hängt von dem Geldbeutel der Eltern ab. Unzählige Male ist dieser Satz gefallen. Auch die Begabtenförderwerke, besser bekannt als “Stiftungen”, die Stipendien an Studierende und Promovierende vergeben sind dabei in der Vergangenheit nicht gut weggekommen: 2008 ergab eine erste Untersuchung zur sozialen Herkunft von Stipendiat/innen, das diese vorwiegend aus besserverdienenden Haushalten kommen. Im Gegensatz zum BAföG sind Stipendien ein Zuschuss: Die Stipendiat/innen verschulden sich nicht. Auch wenn nur rund 1% der Studierenden überhaupt ein solches Stipendium erhalten, wird dadurch auch an dieser Stelle umverteilt. Diejenigen, die es am wenigsten nötig haben, erhalten den Zuschuss.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat in ihrer Studienförderung einen besonderen Schwerpunkt gelegt: Sie fördert Studierende, die aus der Berufstätigkeit kommen, oft über den zweiten und dritten Bildungsweg. Seit 2007 fördert sie zusätzlich Studierende von Studienbeginn an, die sich ein Studium nicht leisten könnten: Sie haben Anspruch auf den BAföG-Höchstsatz und kommen meistens aus Familien, in denen noch niemand studiert hat. Um einen Einblick in die Studiensituation und soziale Lage der eigenen Stipendiatinnen und Stipendiaten zu erhalten, wurden im Wintersemester 2010/11 alle Geförderten in einer “kleinen Sozialerhebung” befragt. Hierbei zeigt sich, dass für große Teile der Stipendiat/innen der Weg in die Hochschule nicht selbstverständlich war. Gleichzeitig aber scheint sich die soziale Herkunft kaum auf die Bewertung der eigenen Studiensituation auszuwirken. Durch spezielle Aufnahmeverfahren und die primäre Förderung von (ehemaligen) Arbeitnehmer/innen, das zeigen die Ergebnisse der Befragung, ist es möglich,  Begabtenförderung und Bildungsaufstieg zu verbinden.

Die Ergebnisse der Befragung sind erschienen in der Reihe edition der Hans-Böckler-Stiftung:

Dusdal, Jennifer, Weber, Regina, Bildungschancen durch Begabtenförderung, Reihe: edition der Hans-Böckler-Stiftung, Bildung und Qualifizierung, Bd. 268. 2014, ISBN: 978-3-86593-164-1. 156 Seiten. Information und Bestellung

Erklärung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) zu aktuellen Kampagnen der Diskreditierung und Diffamierung von Wissenschaftler/innen

“Mit großer Sorge beobachten wir, dass Soziologinnen und Soziologen, die sich wissenschaftlich mit Themen der Geschlechter- oder Sexualitätsforschung beschäftigen, sich immer öfter mit sogenannten Hasskampagnen konfrontiert sehen. Derzeit werden einzelne Kollegen und Kolleginnen in sozialen Medien wie Facebook, in Blogs und mit E-Mails persönlich attackiert, verunglimpft und z.T. sogar bedroht.

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) verurteilt solche Angriffe. Die Autorinnen und Autoren derselben verlassen mit ihren auf Personen zielenden, teilweise gewaltverherrlichenden Tiraden das gesellschaftliche Feld einer respektvoll und friedlich diskutierenden Öffentlichkeit. Hier werden einzelne Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in einer Weise attackiert, die völlig unsachgemäß ist und in ihrem mehr als fragwürdigen Stil letztlich auf die Urheber selbst zurückfällt.

Die DGS erklärt den angegriffenen Kolleginnen und Kollegen ihre ausdrückliche Solidarität, ebenso wie allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich derzeit rassistischen, homophoben und sexistischen Angriffen ausgesetzt sehen. Hasskampagnen stellen nicht nur eine schwerwiegende Zumutung für die einzelnen Kollegen und Kolleginnen dar. Sie verunmöglichen zudem eine zivilisierte, öffentliche Debatte über gesellschaftlich relevante Themen.”

Quelle: soziologie.de,  Die DVPW hat sich der DGS angeschlossen.

Mathematisch denken: MOOC aus Heidelberg

Christian Spannagel, Matheprofessor an der PH Heidelberg und Michael Gieding, Akademischer Rat in Mathe und Informatik haben einen MOOC “Mathematisch denken!”. Mathematisch denken ist gerade für Sozialwissenschaftler/innen oft das, was sie nie gelernt haben. In der Schule mag man kein Mathe, studiert wird das, was möglichst wenig mit Mathe zu tun hat. Und dann kommt die erste Statistikvorlesung…

Der MOOC bringt Lichts ins Dunkel des mathematischen Denkens. Aus der Beschreibung:

“Mathematik: das ist Freude am Denken! Und mathematisch denken kann jeder! Wer an diesem Kurs teilnimmt, erhält seine regelmäßige Dosis an meditativen Denkaufgaben, spannenden Knobeleien und mathematischen Einsichten.”

Wieviel Zeit man in den Kurs investiert, entscheidet man selber. Die Autoren geben zwischen 1-2 Stunden pro Woche für “Kiebitze”, die mal kurz reinschnuppern wollen bis zum Open End für die, die sich richtig reinfuchsen. Mit der angenehmen Art der Autoren und in der entspannten Atmosphäre des MOOC wird mathematisch denken einfach. Große Empfehlung!

Willkommen in der Wissenschaft 2.0

Urhebergesellschaft trifft digitale Realität – Teil 08/15. Oder: Warum ich endlich wieder stapelweise Kopien mit zur Lehrveranstaltung bringe.

Sehr geehrte Dozentin, sehr geehrter Dozent,
aufgrund der geänderten Rechtslage werden wir ab dem Sommersemester 2014 die Vorgaben des Bundesgerichtshofs bzgl. des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes für die Bereitstellungen von Literatur in den Semesterapparaten umsetzen.

Beachten Sie bitte folgende Grenze, wenn Sie einen Auszug aus einem Buch in Ihrem Semesterapparat bereitstellen wollen:

  • Es dürfen maximal 12 % des Werkes, höchstens jedoch 100 Seiten, im Semesterapparat digital bereitgestellt werden.
  • Diese Grenze darf auch nicht durch sukzessive Bereitstellung mehrerer Teile umgangen werden.
  • Dies gilt auch für von Ihnen selbst hochgeladene Texte, die Auszüge aus Büchern oder Sammelwerken sind.

Während des Sommersemesters werden wir auch damit beginnen, die vorhandenen Einträge in den Semesterapparaten zu prüfen und werden uns ggf. mit der Bitte um Kürzung von Einträgen an Sie wenden.

Den vollständigen Text des Urteils finden Sie hier:
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&client=12&nr=65649&pos=0&anz=1&Blank=1.pdf

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Semesterapparat-Team

Review: Kann die nicht, will die nicht oder soll die nicht?

In eigener Sache: Neu erschienen ist die Rezension zu: Ina E. Bieber, 2013, Frauen in der Politik. Einflussfaktoren auf weibliche Kandidaturen zum Deutschen Bundestag. Wiesbaden: Springer VS.

“Ina E. Bieber untersucht in ihrer Dissertation die Einflussfaktoren für erfolgreiche Bundestagskandidaturen von Frauen. Anhand von Längsschnitt- und Querschnittsdaten analysiert sie Faktoren auf der Mikroebene wie individuelle Eigenschaften und Dispositionen sowie Faktoren auf der Makroebene wie Partei- und Wahlsystemeinflüsse. Vor allem letztere wirken sich signifikant auf die Wahlchancen von Frauen aus. Allein das Geschlecht ist kein signifikanter Faktor für den Wahlerfolg zum Bundestag – vor allem die Zugehörigkeit zu Parteien des linken Spektrums und Kandidaturen auf Listenplätzen zeitigen für Frauen größere Chancen, erfolgreich zu kandidieren. Bei den individuellen Faktoren sind erwartete geschlechterspezifische Effekte, zum Beispiel durch Familienstand etc., nicht aufgetreten.”

in: Querelles-net Jg. 15(1), 2014

Dance your Ph.D.

If you are pursuing your Ph.D. or working on any research you will probably ask yourself how to present your idea, your theory and the results? The sciencemag started a competition in a new form of presenting an academic topic: Dance your Ph.D. competitions finalists have prepared small videos on their Ph.D. topic.  The videos of the finalists can be found on the sciencemag website. They promised to announce the winner today, so stay tuned! (I voted for “Sleep Loss in a Social World, see video below).

Neues Weblog: Aus der Wissenschaft für die Politik

Der Lehrstuhl für Empirische Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, an dem ich derzeit meine Promotion schreibe hat in diesen Tagen ein neues Weblog gestartet: Aus der Wissenschaft für die Politik. Mit regelmäßigen Beiträgen von Autor/innen des Lehrstuhls und Gastautor/innen aus den Politik- und Sozialwissenschaften wird der Brückenschlag zwischen Politikwissenschaft und praktischer Politik probiert. Wir sehen einen wichtigen Mehrwert unserer wissenschaftlichen Arbeit für politische Debatten in Deutschland. Über Kommentarfunktion, facebook und twitter wollen wir unsere Ergebnisse gern mit allen Interessierten diskutieren.

Der Lehrstuhl ist ab sofort auch auf facebook und twitter zu erreichen.

LaTeX for social sciences

The use of LaTeX is common in the natural and computer sciences while social sciences (and humanities) are just in the starting process of making use of the enormous functions and opportunities of the system. Coming myself from mathematics, LaTeX was actually one of the first things I got to know when I entered university. My faculty back then offered an introductory lesson and almost everyone in on campus was using it. But changing my subject and ending up in the social sciences, I went back to the usual WYSIWYG programs …. until I recently started to hate the lack of comfort and aesthetics that they provide. So – I am back and quite eager to convince social scientists of the beauty and performance of LaTeX and some accompanying packages.

Some good tools and helpful websites that I found during the last months made me writing this article. But before I will enlist them, some thoughts on classic arguments that I usually hear when I am “confessing” that I chose LaTeX:

  • Yes, the learning curve is steep. You will not open a white page (like you probably do in word) and start typing. You should read some basic introduction before you start. BUT: There are quite good introductions and since I said: The learning curve is steep. So if you stay tuned, you will actually learn a lot quickly. It will be easier in the long run and you will save the time that you spent on learning LaTeX when you need to adjust your layout or citations in the future. If you ever used Word for a document with more than 100 pages including references and footnote, you know what I am talking about.
  • Yes, it is more difficult to work collaboratively in one document than using “track changes”. There are two good exit options: Either all of you use LaTeX (then collaboration is quite easy again) or you use a proper pdf tool that allows for commenting and highlighting. (However, the same argument as above: Did you ever try track changes with a long document and several editors?)
  • No, you will most probably not need the math environment because you don’t need formulas in your texts. Well. First, maybe you will need formulas at some point (at least when you start writing about some statistics you did, you should mention how you achieved the results). And second: math formulas are not the only things that work much better with LaTeX. Think about wonderful packages such as the beamer class for presentation and pfg/tikz for graphs and models: they make your publications so much more beautiful when you use them, I promise.
  • Yes, maybe some editors of book collections or conferences committees might not be used to LaTeX. But usually you get along pretty well if you submit a pdf. Second, just in case: Try and ask. I had a friend (in humanities) who asked whether she could hand in a latex file. After the editor checked with the typesetters of the journal s/he said: Well, we anyway convert your document into LaTeX, so it makes our life easier as well …
  • No, it is actually not difficult to get the LaTeX system on your computer. As long as you are using Windows of MacOS, there are distributions that do the main work for you. You just have to install them as any other programm you might use: MikTex (Windows) or MacTex. I personally use the very comfortable and customizable editor texstudio, Skim for pdfs and Zotero and bibdesk for references. (Sorry for Linux users, but since I assume you are more affine to tech anyway, you might find a way out).

Some good resources and introduction (feel free to add in comments):

English
An Interactive Introduction to LATEX in three parts (Dr John D. Lees-Miller, University Bristol); The (not so) short introduction to Latex e (Latex in 157 minutes, Tobias Oetiker, Hubert Partl, Irene Hyna, Elisabeth Schlegl

German
Latex und ein bisschen mehr … (Einführung der Fernuni Hagen); Vorlesungsunterlagen: Einführung in LaTeX (Technische Hochschule Nürnberg, Christine Niebler); Kochbuch für LaTeX (Einführung im Kochbuch-Style für Gourmets)

Nichtwähler in Deutschland

Wählen gilt in der Partizipationsforschung als niedrigschwelliger und für viele Bürger/innen einziger Art der demokratischen Teilhabe. Die Bewertung des Nichtwählens könnte unterschiedlicher nicht sein. Während die Funktion des Wählens weitgehend unumstritten als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Repräsentant/innen eingeschätzt wird, gilt Nichtwählen abwechselnd als Ausdruck allgemeiner Zufriedenheit mit dem politischen Geschehen oder als Protestvariante, durch die Distanz zur Demokratie ausgedrückt wird. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat nun bei Manfred Güllner (forsa) eine Untersuchung der Nichtwähler/innen in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse überraschen nicht, Bildung und Sozialkapital (Schulbildung, Einkommen, sozialer Status) sind zwischen Wähler/innen und Nichtwähler/innen unterschiedlich verteilt. Besonders diejenigen, die Güllner als “Dauer-Nichtwähler” bezeichnet,  diejenigen,  die  bei  allen  vier  vergangenen  Bundestagswahlen (1998, 2002, 2005, 2009) nach eigenen Angaben nicht zur Wahl gegangen sind, haben insgesamt häufiger eine geringe Schulbildung und ein geringes Einkommen als die Wähler. Dieser dauerhaften Wahlabstinenzler sind auch diejenigen, die die größte Distanz zur Demokratie aufweisen.

Weiterlesen: Manfred Güllner, Nichtwähler in Deutschland. Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (pdf)